Sitemap Impressum

Mein Rasseporträt

Der Mops ist kein normaler Hund, das sieht man auf den ersten Blick: Er ist eine Mischung aus andalusischem Kampfstier, Marzipanschwein und Weißwurst. Er paßt zu psychisch stabilen Menschen, die sich nicht daran stören, daß ihr bester Freund schnarcht, grunzt, haart und mit völligem Selbstverständnis immer den besten Platz auf dem Sofa für sich beansprucht, charakterstarken Menschen, die keinen Designerhund als Ablenkung von der eigenen Unzulänglichkeit benötigen. Der Mops ist kein Modehund, er ist ein Klassiker. Kaum eine Hunderasse ist so häufig in der Kunst festgehalten worden, wie der Mops. Der Mops ist kein Hund. Er ist eine Lebenseinstellung.
Er hat eine gespaltene Persönlichkeit. Sein Gesichtsausdruck wirkt, als laste auf seinen Schultern das Elend dieser Welt, aber sein Blick ist feurig. Er ist ruhig und freundlich, andererseits wild, verspielt und von ungeheurem Sportsgeist. Am Mops scheiden sich überhaupt die Geister. „Mopsfidel“ heißt: Fröhlich gelaunt und zu dummem Zeug aufgelegt zu sein. Wer „sich mopst“, dem ist langweilig. Und wer „mopst“, der klaut, und das ist pfui.
Die Reaktionen auf diesen komischen kleinen schnaufenden Hund sind erstaunlich. Er wird entweder heiß geliebt oder voller Abscheu betrachtet. Ihm ist im Laufe seiner Geschichte viel Unheil widerfahren: Er ist so lange verspottet und angefeindet worden, dass er um ein Haar ausgestorben wäre. „Die Welt wird nichts verlieren“, schrieb der alte Brehm 1864, „wenn dieses abscheuliche Tier mitsamt seiner Nachkommenschaft den Weg allen Fleisches geht.“ Totgesagte leben zum Glück länger, auch bei Hunden. Und der Mops lebt überhaupt länger, als die meisten Hunderassen, 15, 16 Jahre sind für ihn keine Seltenheit. Das ist gut so. Der Kynologe Eberhard Trumler schwärmte: „Der Mops ist aufmerksam und hochintelligent, eine unglaublich geglückte Züchtung.“

Er kommt aus China. Das Tier hat die eingedrückte Nase und den Ringelschwanz, den die Chinesen an ihren Palasthunden immer schätzten – man denke an Pekinese oder Shi-Tzu. Jedenfalls exisitierte ab ca. dem Jahre 950 ein Hündchen, das Lo-sze genannt wurde und ein kurzes Fell und eine Menge loser Haut besaß, außerdem ein flaches Gesicht, ein quadratischer Kiefer, kleine Ohren und ein Ringelschwanz. Manche alten Abbildungen zeigen den Lo-sze mit einem Halsband, an dem kleine Glöckchen befestigt sind – eine Mode, die viele Jahrhunderte später in Europa für den Mops angenommen wurde.
Es gibt auch die Theorie, der Mops sei ein Bonsai-Ausgabe des Mastiffs. Diese Idee stammt wahrscheinlich daher, daß die ersten Möpse, die in England ankamen, manchmal „Dutch Mastiffs“ genannt wurden. Die einzige Ähnlichkeit zwischen Mops und Mastiff liegt allerdings in der beigen Farbe und der Beschaffenheit ihres Fells. Die Strukturen der Schädel beider Rassen unterscheiden sich dabei so sehr, das damit eigentlich bewiesen sein müßte, dass der Mops mit dem gewaltigen Molosser, von dem Mastiff und Bulldogge abstammen, nichts zu tun haben kann.
Angeblich brachte ihn Dschinghis Khan mit nach Europa. Hundebücher der Jahrhundertwende behaupten, der Mops sei mit den Holländern vom Kap der Guten Hoffnung eingereist. Die politische Bedeutung des Mopses wird jedenfalls oft unterschätzt: Europa sähe anders aus, hätte nicht in einer Nacht des Jahres 1570 ein Mops gebellt und so einen Mordanschlag spanischer Schergen auf seinen Herrn Wilhelm von Oranien, Statthalter der Niederlande, vereitelt. Als Willhelm und Maria von Oranien 1688 nach England kamen, brachten sie ihre angebeteten Möpse mit, woraufhin die gesamte englische Aristokratie dem Mops verfiel. Im 18. Jahrhundert war der Mops in Europa dann voll etabliert, eroberte Burgen, Schlösser, die Herzen von Fürsten und späten Mädchen. Er wurde der Modehund der „Belle Epoque“, das goldene Kalb des 18. Jahrhunderts. Nachdem der Pabst 1740 die Freimaurer exkommunizierte, gründete der Herzog von Bayern den „Mops-Orden“, zu dem auch Frauen Zugang hatten. Frauen und Möpse sind dabei sowieso ein Kapitel für sich: Frauen haben nämlich seinen Ruf ruiniert, indem sie ihn wie Madame Dubarry mit Goldketten behängten und vollstopften, bis er zur Witzblattfigur wurde. Und Tatsache ist, daß der Mops mit seinem Gesichtsausdruck, als laste auf seinen Schultern das Elend dieser Welt, und seinem unwiderstehlichen Sinn für Humor oft sehr ulkig wirkt. Willhelm Busch sah ihn als verzogenen, verfetteten Schoßhund und Alt-Jungfern-Gespielen.

Entgegen allen Vorurteilen ist der Mops dabei keineswegs dick, dumm und plump. Für zuviel Liebe kann er nichts, und wenn er als lebendes Plüschtier gehalten wird, ist es nicht seine Schuld.

Der Mops macht seine Besitzer zu Gefangenen – wer einmal in seinem Leben einen Mops besaß, bleibt für den Rest seines Lebens meist bemopst. Er ist ein strammer kleiner Hund mit rundem Kopf, kleinen Samtohren und großem Charme. Sein Fell ist beige, schwarz oder – nur noch selten – silbergrau, immer mit schwarzer Maske. Er ist handlich, riecht und sabbert nicht und reagiert im Allgemeinen recht gut auf eine Grunderziehung. Er ist mit einer halben Stunde Auslauf zufrieden, schafft aber auch spielend fünf. Er schnappt nicht, schnarcht dafür aber entsetzlich – was Mopsbesitzern allerdings meist erst dann auffällt, wenn er nicht mehr schnarcht.
Der Mops hatte nie eine andere Aufgabe, als geliebt zu werden. Die erfüllt er hervorragend.

© Katharina von der Leyen

Nach oben